Freitag, 26. Juni 2009

Die kalte Schulter gezeigt

Wir waren 2005 schon hier. Und bei allem, woran ich mich erinnern kann, muss man sagen: wenn eine Partei 2005 von Kleinbloggersdorf profitieren konnte, dann war es die SPD. Bei aller Kritik blieb zumindest fast allerorten die gleiche Meinung übrig: die alte Tante mit ihrer überheblich machtgierigen Kanzlerfigur mag eigentümliche Dinge veranstalten. Aber der ultra-neoliberale Richtungswahlkampf von CDU und FDP ist nun wirklich vollständig untragbar.

Dazu haben die seinerseits privat geführten Politikblogs viel beigetragen. Vermutlich mehr als die täglich immer neu aus dem Boden gestampften und kaumgelesenen aberhundert Blogs von SPD - Mitgliedern und Unterstützern. Es lag aber auch schon daran, dass Sebastian Reichel, der heuer wieder den Online-Wahlkampf der SPD leitet und den ich persönlich kennenlernen durfte, einen ziemlich guten Job gemacht hat.

Vier Jahre später ist das Web20 wichtiger geworden. Dabei zählt weiter die eher private Meinung. Gerade letztes Jahr hat eine von Robert Basic angestossene Debatte ziemlich klar erbracht, dass Politiker-Weblogs (von da aus weiterklicken...) ihren Zweck schlecht erfüllen und allenthalben an Zeitverschwendung grenzen.

Es ist eben das schreibende Wahlvolk, dass im Web20 Einfluss auf das mitlesenden und diskutierende Wahlvolk hat. Es sind nicht die Politiker, die in ihren Blogs unerheblicherweise in der gleichen politisch korrekten Sprache ebenjenes wiedergeben, was man bereits in den 8 Uhr Nachrichten gehört hat. Sie laden auch gar nicht zur Debatte oder regen gar zum Nachdenken an, weil sie einfach mehr oder minder stumpf auf einer Position beharren. Feedback und Vernetzung stehen gar nicht erst zu erhoffen.

Da wird es die SPD wenig freuen, dass die durch den Bundestag gewinkte Internetsperre eine ganze Reihe bekannter Blogger dazu verleitet hat, der SPD ihre Unterstuetzung künftig zu verweigern. Spreeblick macht das besonders deutlich und harte Worte finden sich überall, so etwa auf Kamikaze-Demokratie. Und die Reaktionen aus Kleinbloggersdorf auf die gescheiterte Online-Petition ist selbst Spiegel Online einen Artikel wert.

Dort finden sich gleich zwei erwähnenswerte Zitate der Online - Wahlkampfmanager von CDU und SPD.

"Einen Herzlichen Glückwunsch an die Netzgemeinde, dass sie solch eine Debatte zu diesem Thema auslösen konnte (Stefan Hennig, CDU)."

Da hört man förmlich das: "Aber uns Politiker interessieren sachkundige Information und gute Argumente schlichtweg nicht." Und...

"Es gab in den letzten Wochen eine sehr emotionale und teilweise entsachlichte Debatte. Wichtig ist, dass wir jetzt wieder auf einander zugehen (Sebastian Reichel, SPD)."
Auf wessen Seite denn bitte? Meint der jetzt die von der Leyen, oder was? Ich treffe zwar nicht aufgrund eines einzelnen Themas meine Wahlentscheidung. Aber letztlich ist es doch so: wer in einer Demokratie Parteien wählt, die die Freiheit mit Füssen treten, macht als Bürger etwas falsch.


Michael Jackson ist tot. Verstörend...

 
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