Mittwoch, 2. September 2009

Twitter Wahlprognosen - kreative Problemlösung

Bekanntlich machen sich zur Zeit alle möglichen Minister und Politgrößen schwere Sorgen um die anstehenden Bundestagswahlen, da nach dem Ergebnis der Bundespräsidentenwahl auch Exit-Poll Ergebnisse der Landtagswahlen rechtswidrig und vorzeitig veröffentlicht wurden.

Von solchen Tweets erfahren zunächst nur wenige Menschen. Sie stellen kein größeres Problem da. Erst die Berichterstattung über die Tweets, etwa durch Phoenix, sorgen für Aufmerksamkeit.

Natürlich denkt man jetzt wieder über ein Verbot von Exit-Polls nach und vernachlässigt dabei, dass aus diesen Befragungen nicht nur die ersten Wahlprognosen, sondern auch all die vielen anderen hübschen Daten über Gründe der Wahlentscheidung oder Wählerwanderungen gewonnen werden, die einem den Wahlabend mit spannenden Details versüßen und wissenschaftlich sehr wertvoll sind.

Da sieht man wieder, dass Politiker viel über Verbote, aber nie über kreative Problemlösung nachdenken. Die ganz einfache Lösung kommt schlicht aus dem Bereich "Security through obscurity":

Das Problem frühzeitiger Exit-Polls lässt sich dadurch lösen, dass sich alle twitternden Politiker, die glaubwürdigen Zugang zu solchen Informationen haben, dazu verabreden, am Wahltag gegen 16.30 Uhr beliebige Ergebnisse zu veröffentlichen. Dazu nimmt man einfach die letzten legalen Wahlprognosen und variiert sie innerhalb statistischer Abweichungen, also so um 3-4% pro Partei.

Im Ergebnis werden - keine Ahnung wie viele Politiker mit entsprechenden Informationszugang tweeten - vielleicht 100 Exit-Poll Ergebnisse veröffentlicht, die stark voneinander abweichen und alle die gleiche Glaubwürdigkeit haben. Das Problem der Vorabveröffentlichung ist durch Verschleierung gelöst.


2 Kommentare:

marcel hat gesagt…

Das NDR-Magazin Zapp hat angeblich den Menschen gefunden, der am Sonntag die ersten - frei erfundenen - Wahlergebnisse aus dem Saarland getweetet hat:

http://www3.ndr.de/flash/zapp/interactivePlayer.html?xml=zappsendung130-interactiveBroadcasts.xml&sr=zapp&bid=zappplustwitter100

Dabei kommen sie zu dem gleichen Ergebnis: Möglichst viele Phantasie-Ergebnisse tweeten, posten, singen und schon kann von Wahlbeeinflussung keine Rede mehr sein.

Das dürfte auch einfacher sein als die Erhebungen zu verbieten wie es Justizministerin Zypris vorgeschlagen hat. (Auch wenn sie damit Recht hat, dass das der Demokratie keinen größeren Schaden bereiten würde....)

Polonius hat gesagt…

Sieht so aus, als wäre man diesmal genau diesem Ratschlag gefolgt:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,651619,00.html

 
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